Wer nicht hört, bleibt dumm – Podcasts, die uns die Welt erklären.

Wer in der Medienbranche nicht mehr weiß was er machen soll, der produziert halt einen eigenen Podcast. So scheint es heute zumindest.

Als ich vor mittlerweile 8 Jahren damit angefangen habe, Podcasts zu hören, sah das noch ganz anders aus. Damals musste ich noch jedem erklären, was denn dieser „Podcast“ sei, aus dem ich die Informationen hatte, über die wir uns gerade unterhielten. „Das ist ein bisschen wie Radio, nur eben online und ohne Zeitbegrenzung“ oder „Menschen, die sich treffen, um sich über bestimmte Themen zu unterhalten und das aufzeichnen“ lauteten dann meine Erklärungsversuche. Die Podcastlandschaft ihrerseits war auch übersichtlich. Es gab ein paar etablierte Formate, der Großteil drehte sich eher um technische Themen oder die sogenannte Netzgemeinde.

Mittlerweile hat sich wie gesagt einiges geändert. Das Format Podcast ist zu einem Massenphänomen geworden. Nahezu jeder Streaming Service hat seine Eigenproduktionen. Vom Laberpodcast, in dem über Gott und die Welt gesprochen wird, über spannende Reportagen bis hin zu wöchentlichen Nachrichtenüberblicken wird einem alles geboten. Bekannte Gesichter aus anderen Bereichen wie Jan Böhmermann & Olli Schulz, aber auch „Newcomer“ aus der Niesche, finden in Podcasts neue Berühmtheit. Das Angebot an deutschsprachigen Podcasts ist mittlerweile sehr vielfältig.

Was damals wie heute unverändert zutrifft, ist die Tatsache, dass Podcasts eine großartige Informationsquelle sind. Durch den meist unbegrenzten zeitlichen Rahmen, lassen sich komplizierte Themen umfassend besprechen. Wo Fernseh- oder Radioprogramme einem Thema nur wenige Minuten widmen können, wird sich im Podcast nicht selten über eine Stunde mit dem Thema befasst. Das hat zur Folge, dass sich tatsächlich auch Diskussionen entfalten können und Themen von unterschiedlichen Standpunkten aus betrachtet werden. Im Gegensatz zu Zeitungen oder Newsseiten im Netz, lässt sich ein Podcast wunderbar nebenbei konsumieren. Beim Wohnung putzen, in der vollen Straßenbahn oder sogar beim Sport.

Nach diesem Plädoyer für den Podcast an sich, möchte ich euch nun ein paar meiner Lieblingspodcasts vorstellen. Es sind Podcasts, die sich mit Themen aus Politik, Gesellschaft und Wissenschaft beschäftigen. Mit Themen also, die sich auch hier im Blog wiederfinden.

Zunächst möchte ich mit zwei Podcasts beginnen, welche als guter Start in die Welt der Alltagspolitik dienen. Unter dem Titel „Lage der Nation“ fassen der Jurist Ulf Burmeyer und der Jurnalist Philip Banse die politischen Nachrichten der letzten Woche ausführlich zusammen. Dabei bemühen die beiden sich stets ausgewogen zu berichten und in ihren Ausführungen unterschiedliche Blickwinkel zu beleuchten. Ein weiterer Podcast für den wöchentlichen Nachrichtenüberblick ist die „Wochendämmerung“ von der Autorin Katrin Rönicke und dem Hörfunkmoderator Holger Klein. Auch sie ordnen jede Woche die aktuellen Nachrichten in einen politischen Kontext ein und helfen damit sie besser zu verstehen.

Holger Klein kann mittlerweile zu den Urgesteinen der deutschen Podcastszene gezählt werden. Seit 2011 produziert er unter dem Titel WRINT verschiedene Podcastformate, in denen er sich mit Leuten aus unterschiedlichsten Themenbereichen trifft und unterhält. Oft werden geht es dabei um spannende gesellschaftlich relevante Themen. Zum Thema Europa empfehle ich hier sehr, sich die Folge WR799 anzuhören, in der er mit der Politikwissenschaftlerin Ulrike Guerot, über ihre Vision einer „Europäischen Republik“ spricht. Für alle Freunde der Astronomie und Naturwissenschaften, ist auch das Format „WRINT Wissenschaft“ mit dem Astromom Florian Freistetter zu empfehlen.

Wo wir schon bei Urgesteinen sind, die Institution für das Podcastformat schlechthin ist Tim Pritlove. Pritlove produziert seit 2005 Podcasts und gehört damit zu den ersten Personen überhaupt, die dieses Medium in Deutschland etablierten. In seinem Format CRE – Chaos Radio Express spricht er mit interessanten Persönlichkeiten aus Technik, Kultur und Gesellschaft. Für die Heinrich Böll Stiftung produziert er seit einigen Jahren den Podcast „Fokus Europa“. Hier werden ausgewählte Experten zu vielfältigen Themen rund um Europa und seine Entwicklung interviewt.

Zu guter letzt sind auch die Podcasts des Deutschlandfunk Nova sehr zu empfehlen. Besonders gerne höre ich hier das Format Essay & Diskurs, in dem kurze Essays zu verschiedensten gesellschaftlichen Diskursen innerhalb von einer halben Stunde vorgelesen werden. Der Podcast „Hörsaal“ präsentiert jede Woche eine ausgewählte Vorlesung von Professor*innen aus diversen Studienrichtungen.

Das war eine kleine Auswahl aus dem breiten Spektrum der bunten Podcastwelt, doch es gibt noch so viel mehr zu entdecken. Es würde mich freuen, wenn ich einige von euch dazu bringen konnte sich den ein oder anderen mal anzuhören. Die jeweiligen Podcaster geben sich große Mühe uns stets spannende neue Einblicke in Themenfelder zu geben, mit denen wir sonst kaum in Berührung kommen. Nutzen wir diese neue Informationsquelle, um unsere Welt besser zu verstehen!

Einzelverweise:

https://wrint.de

https://fokus-europa.de

https://wochendaemmerung.de

https://www.kuechenstud.io/lagedernation/

https://cre.fm

https://www.deutschlandfunknova.de/podcasts

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