Der Verkehr muss auf die Schiene – Aber wie?  

11,3 Millionen Passagiere gab es allein im ersten Halbjahr 2018 auf innerdeutschen Flugverbindungen. Angesicht der Debatte um eine klimagerechtere Politik wirkt diese Zahl geradezu obszön hoch. Der Fernverkehr der Deutschen Bahn hatte im gleichen Zeitraum 70,9 Millionen Fahrgäste – vergleicht man die Treibhausgasemissionen von 214 g/Pkm im Flugverkehr zu 38 g/Pkm im Schienenverkehr wird das Problem mehr als deutlich. 

Die Politik steht vor der großen Frage: Wie mehr Menschen zur Nutzung des Schienenverkehrs bringen? Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) schlug hierzu die Senkung der Mehrwertsteuer auf Fernverkehrstickets von aktuell 19% auf 7 % vor. Ziel ist, die Bahn im Preiswettbewerb mit dem Flugverkehr zu stärken. Lob für den Vorschlag gab es neben der “Allianz pro Schiene” auch von Fahrgastverbänden, Gewerkschaften und den Verbraucherzentralen.  

Doch nicht nur im Preiswettbewerb gibt es Probleme im Schienenverkehr. Häufig können europäische Zughersteller wie Siemens oder Alstrom bestellte Züge nicht fristgerecht liefern, auch ihre Kosten stehen in der Kritik. Als Reaktion darauf ist mit der österreichischen Westbahn nun erstmals ein europäisches Bahnunternehmen an Zügen des chinesischen Herstellers CRRC interessiert. Die etablierten Hersteller müssen auf diese Entwicklung reagieren, wollen sie Teil der Verkehrswende in Europa sein. Dabei geht es nicht um bloßes Kostensenken, vielmehr müssen sie insbesondere die Zuverlässigkeit der gelieferten Züge verbessern. 

Reisende erwarten heute nicht einfach nur von A nach B zu kommen. Die Anforderungen an Komfort und Service sind gestiegen. Leider hat die Deutsche Bahn damit nicht schritthalten können. Vielerorts sieht man Züge, die ein geteiltes Deutschland noch selbst erlebt haben. Von W-LAN während der Reise kann man hierzulande auch nur träumen.     

Auf Verkehrsminister Scheuer kommen noch viele weitere Herausforderungen im Schienenverkehr zu. Das Netz ist an vielen Stellen äußerst marode, auch der weitere Ausbau stockt. In Österreich und der Schweiz scheint die Geduld mit den Deutschen mittlerweile am Ende. Wichtige Projekte im europäischen Bahnverkehr bleiben auf der deutschen Seite stehen, insbesondere eine stärkere Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene ist so nicht möglich. 

 

Quellen: 

https://www.spiegel.de/reise/aktuell/geringere-mehrwertsteuer-auf-bahn-tickets-allianz-pro-schiene-begruesst-vorschlag-a-1263293.html

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/deutsche-bahn-andreas-scheuer-will-steuer-auf-tickets-senken-a-1263226.html

https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2018/08/PD18_313_464.html

https://zb.deutschebahn.com/zb2018/de/konzern-zwischenlagebericht-ungeprueft/entwicklung-der-geschaeftsfelder/personenverkehr/geschaeftsfeld-db-fernverkehr/entwicklung-im-ersten-halbjahr-2018.html

https://www.vcd.org/themen/klimafreundliche-mobilitaet/verkehrsmittel-im-vergleich/

https://www.wiwo.de/unternehmen/dienstleister/radikale-angriffsstrategie-wie-ein-chinesischer-zughersteller-den-zugverkehr-in-europa-umkrempelt/24233170.html

https://theworldnews.net/de-news/bahnverbindung-auf-dem-stumpengleis

News